• Was wir herausgefunden haben...

    Wir haben im Rahmen unseres Projekts innerhalb des "StudiVZ" in verschiedenen Richtungen "Feldforschung" betrieben. Zu allererst haben wir einen Fake-Account im "StudiVZ" erstellt und damit eine falsche Identität inszeniert. Diesen Account haben wir im Laufe des Projekts beobachtet und die Ergebnisse im Blog zusammengefasst. Für das weitere Arbeiten schien uns eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema "Selbstinszenierung im Netz" eine wichtige Basis zu sein. Auf dieser Grundlage haben wir einen Fragebogen erstellt und 100 User des "StudiVZ" über ihre Nutzungsgewohnheiten befragt. Diesen Fragebogen kann man jetzt auch online auf unserem Blog ausfüllen. Die bisherigen Ergebnisse haben wir inzwischen statistisch und graphisch ausgewertet. Zusätzlich haben wir auch persönliche Meinungen zum "StudiVZ" in Form von Audio-Interviews eingefangen. Um auch eine kritische Haltung gegenüber dem "StudiVZ" miteinzubeziehen, haben wir uns an den Internet-versierten Informatikstudenten Toto gewendet und mit ihm ein Interview im ICQ geführt. Er hat den AGB widersprochen und ist daraufhin aus dem "StudiVZ" rausgeschmissen worden. Grund genug uns die AGB selbst mal genauer anzuschauen. Entstanden ist daraus ein reflexiver Audiobeitrag.

    Ausgehend von diesen unterschiedlichen Forschungen können wir nun ein Fazit formulieren.
    Wir haben festgestellt, dass das "StudiVZ" ein typisches Forum des Web2.0 ist. Web1.0 war und ist reine "Inszenierung". d. h. Websites werden für den User kreiert und "verkaufen" in der Regel ein bestimmtes Image. Web2.0 hingegen wird direkt vom User kreiert und ist permanent veränderbar. Plattformen wie das "StudiVZ" können hier funktionieren. Das "StudiVZ" bindet den User direkt ein. Diesem ist es ein großes Bedürfnis authentisch zu sein. Er benutzt dazu die gegebenen Mittel der Inszenierung. Er setzt sich eine "Maske" auf, die für ihn Identität und Authentizität bedeutet. Dabei sind dem User automatisch Grenzen gesetzt, die es verhindern, dass er vollends authentisch ist, denn er muss selektieren. Dabei scheint er dieses Defizit nicht bei sich selbst, wohl aber bei anderen wahrzunehmen: 90% der von uns befragten Studenten sind der festen Überzeugung, dass ihr "StudiVZ"-Profil der Wahrheit entspricht und somit authentisch ist. Gleichzeitig glauben ebenso viele, dass die meisten Angaben im "StudiVZ" nicht der Wahrheit entprechen und somit beschönigt bzw. manipuliert sind.

    Selbstinszenierung ist sicherlich ein menschliches Bedürfnis, das vom "StudiVZ" bedient wird. Weil es sich hierbei um eine alltagsästhetische und damit eine subtilere Art der Inszenierung handelt, wird sie nicht sofort als solche wahrgenommen und hat sich für die zwischenmenschliche Kommunikation etabliert.

  • Forschungsprojekt "Fake Account"

    Zu Beginn unseres „StudiVZ“-Projektes haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was es eigentlich bedeutet in einer Gemeinschaft, die – wie das „StudiVZ“ – auf Authentizität baut, die Möglichkeit zu haben, gerade nicht authentisch zu sein. Zum Beispiel indem man bewusst eine falsche Identität annimmt, also einen so genannten „Fake-Account“ anlegt. Wir haben uns kurzer Hand entschlossen, selber einen „Fake-Account“ anzulegen und ihn zu beobachten. Unser Account beschreibt eine – nach unserem Wissen – nicht-existierende Person. Diese Person ist ein junges Mädchen, namens Jennifer das an der Freien Universität Berlin studiert. Bei „Persönliches“ haben wir angegeben, dass Jennifer auf der Suche ist nach „Netten Leuten“, „Partys“ und „was ich eben ergibt“. Ihre Interessen, behaupten wir weiterhin, sind Menschen, Musik, Party, quatschen, lesen, tanzen und essen. Außerdem ist Jennifer „solo“, was, wie sich nachher gezeigt hat, großen Eindruck auf zahlreiche Berliner gemacht hat.

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  • AGB-Reflexionen

    Während wir uns mit den neuen AGB des "StudiVZ" beschäftigt haben, sind uns die ein oder anderen Punkte aufgefallen, mit denen wir uns kreativ-kritisch auseinander gesetzt haben.

    Hört selbst!

  • Die Auswertung unserer Fragebögen...

    ...hat uns diese graphischen Ergebnisse geliefert:


    Graphik8

    Graphik5

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  • ICQ-Interview mit Toto (Informatikstudent und Mitglied im Chaos Computer Club)

    Toto wurde aus dem "StudiVZ" rausgeschmissen, da er den AGB's widersprochen hat.
    Warum er widersprochen hat und wie er heute über
    "StudiVZ" denkt, lest selbst:



    Studivzler:
    Wie alt bist du eigentlich, Toto? Was hast du studiert? Und was arbeitest du momentan?
    Toto:

    Ich bin 24, studiere im 10. Semester Informatik (Diplom) an der Humboldt Universität zu
    Berlin. Momentan arbeite ich als Programmierer für ein StartUp in Berlin. Außerdem bin
    ich Mitglied im Chaos Computer Club, der sich u.a. mit den gesellschaftlichen Folgen von
    Technologie z.B. Privatsphäre und informationeller Selbstbestimmung beschäftigt.
    Studivzler:
    Zu "StudiVZ": Wie lang warst du denn dort angemeldet?
    Toto:

    Hm. Also etwa vom Herbst 2006 bis zum 3. April 2007.
    Studivzler:
    Hast du seit deinem Rausschmiss schon mal bereut, der AGB widersprochen zu haben?
    Toto:
    Nein. Aber ich habe schon festgestellt, dass der soziale Druck, dort Mitglied zu sein, recht
    hoch ist. Wobei sich das bei den Informatikern in Grenzen hält.
    Studivzler:
    Hast du eine Idee woran das liegt?

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  • Unsere Audiointerviews übers "StudiVZ"...

    Im Rahmen unseres Projektes haben wir mit Studenten der Uni Bayreuth auch Audio-Interviews zum "StudiVZ" geführt.

    Eine Auswahl haben wir euch hier zusammengestellt.


    Studi1


    Studi2


    Studi3


    Studi4

  • Die Auswertung von 100 schriftlichen Fragebögen

    ... hat uns interessante Antworten geliefert. Wir zitieren die schönsten Antworten:

    Frage: Glaubst du das "StudiVZ" ist zukunftsträchtig?

    Ja, weil:

    • es immer ein menschliches Befürnis nach Kommunikation geben wird.
    • es eine gute Plattform ist, um Kontakte zu alten und aktuellen Freunden zu halten und, weil es die Menschen vernetzt.
    • es omnipräsent ist.
    • es immer neues Zielpublikum geben wird.
    • es sich schon etabliert hat.
    • sich jeder anmeldet.
    • es toll ist.
    • es viele Funktionen in sich vereint.
    • es den menschlichen Trieb nach Vernetzung befriedigt.
    • die sich ordentlich vermarkten.
    • wir Kontakte immer weitgefächerter nutzen müssen.
    • Internet das Medium der Zeit ist.
    • es ein menschliches Bedürfnis ist, zu Gruppen zu gehören.
    • viele Freaks.
    • spaßig.
    Nein, weil:
    • alle Trends irgendwann enden.
    • sich das wirkliche Leben hoffentlich durchsetzen wird.
    • Interesse und Lust daran irgendwann vergehen werden.
    • es Besseres geben wird.
    Frage: Wenn es das "StudiVZ" ab morgen nicht mehr geben würde...

    dann:

    • gäbe es etwas Anderes.
    • hätte ich kein Problem damit.
    • hätte ich mehr Zeit zum Lernen.
    • würde ich vieles nicht mitbekommen.
    • wäre das egal für mich.
    • müsste man mehr sms und mails schreiben.
    • suche ich mir einen Brieffreund.
    • hätte ich mehr Freizeit.
    • wäre ich in einem anderen Forum.
    • wäre mir langweilig.
    • würde ich meine Zeit nicht verschwenden
    • wäre die Welt nicht schlechter.
    • wäre ich nicht so internetsüchtig.
    • hätte ich zu vielen Leuten keinen Kontakt mehr.
    • würde mir etwas fehlen.
    • würde ich weiter leben.
    • wäre es schade.
    • hätte ich weniger Druck, dauernd nach neuen Nachrichten zu schauen.
    • würden nicht alle Leute meine betrunkenen Fotos sehen.
    • würde ich mich besser fühlen.
    • würde ich vermehrt direkt kommunizieren und nicht so viel Stalken.
    • wäre ich traurig.
    • würde ich es erfinden.

  • Link zur Umfrage

    Wir haben für unser "StudiVZ"-Projekt eine Online-Umfrage erstellt. Wäre schön, wenn auch du mitmachst!

    Viel Spaß und vielen Dank!

    Zur Umfrage hier

  • Selbstinszenierung: eine Definition

    Was meinen wir eigentlich, wenn wir von "Inszenierung" sprechen? Um das zu beantworten, muss man zuallererst zwischen verschiedenen Arten der Inszenierung sehr genau unterscheiden. Die Medienwissenschaftlerin Barbara Becker gibt in ihrem Text "Selbst-Inszenierung im Netz" zu bedenken, dass wir, ohne so recht zu wissen warum eigentlich, oft von Dingen wie Kulturinszenierung, Inszenierung des Politischen, Inszenierung von Authentizität, Körper-Inszenierung sowie ästhetischer Inszenierung sprechen. Unterscheiden müsse man aber grundsätzlich, so Becker, zwischen einer "künstlerischen Inszenierung" (hierzu zählen z.B. Theater, Performance, Video, Fotografie etc.) und einer "alltagsästhetischen Inszenierung".
    Im Rahmen unserer Fragestellung, ob die User der Internetplattform "StudiVZ" diese zu Zwecken der Selbstinszenierung nutzen, sprechen wir selbstverständlich nicht von einer künstlerischen, sondern von einer alltagsästhetischen Inszenierung.

  • Selbstinszenierung und "StudiVZ": Wie passt das zusammen?

    Geht man von der Annahme aus, dass der Mensch per se ein Schauspieler ist, eine Inszenierung des Selbst somit immer und überall stattfindet, dies also eine für den Menschen existentielle Notwendigkeit darstellt, warum sollte dies sich dann in einer Internetplattform anders verhalten? Allerdings beantwortet das nicht die Frage, ob Selbstinszenierung innerhalb einer Internetplattform besonders präsent ist, bzw. welche Faktoren die Selbstinszenierung möglicherweise begünstigen. Becker sagt: "[...] die Inszenierung des Selbst ist eine wichtige Strategie der Selbst- ERFINDUNG und Selbst-Sicherung, d.h. eine für den Menschen typische Form des Sich-in-Beziehung-Setzens und keine bloße Täuschungsstrategie, wie dies heutzutage immer wieder unterstellt wird. Inszenierung ist also nicht konträr zur Authentizität der Wesenhaftigkeit einer Person zu setzen, vielmehr enthüllt sich eine Person immer auch bzw. überhaupt erst in der Inszenierung."
    Betrachtet man diese Aussage im Hinblick auf "StudiVZ" und dessen selbstinszenatorischen Wert, so kann man erahnen, wo für uns die Verbindung zwischen der Plattform und dem Begriff Selbstinszenierung liegt. Natürlich ist "StudiVZ" nicht gleichzusetzen mit Selbstinszenierung und natürlich inszenieren sich seine User nicht wesentlich mehr als in irgendeiner anderen Form der Gemeinschaft. Aber das menschliche Verlangen nach Zugehörigkeit und gleichzeitiger Individualität, das Sich-in -Beziehung-Setzen zu anderen

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